Panikattacken und Hitze

Panikattacken bei Hitze

VON SEBASTIAN D KRAEMER · 25. JUNI 2020

Die wenigsten mögen es so richtig heiß. Zumindest dann nicht, wenn man nicht den ganzen Tag am Strand liegen kann. Für Menschen mit einer Angststörung ist die sommerliche Hitze oftmals sogar mit Angst und Panikattacken verknüpft.

Und statt sich über den Sommer und steigende Temperaturen zu freuen, ist die warme Jahreszeit für zahlreiche Menschen die Hölle.

Doch wie kommt es zu dieser übermäßigen Angst vor Hitze? Und was kannst Du dagegen tun?

Die Antworten auf diese Frage liefert dieser Artikel.

Angst vor Hitze

Wenn das Thermometer über die 30-Grad-Marke steigt, treibt dieser Anblick vielen Menschen mit einer Angststörung den Angstschweiß auf die Stirn. Dabei ist die Hitze in der Regel alles andere als lebensbedrohlich.

Sicherlich sind hohe Temperaturen für niemanden auf Dauer angenehm. Wenn man dann noch in einem überfüllten Bus sitzt, ins heiße Auto steigen muss oder in einem nicht klimatisierten Büro seinem Job nachgeht, ist wohl jeder froh, wenn man wieder zu Hause ist.

Menschen mit Angst und Panikattacken reagieren jedoch wie so oft auf “Unangenehmes” mit übertriebener Angst. Sie bekommen Große Angst vor Hitze.

Dabei ist nicht alles, was unangenehm ist, auch gefährlich. Wenn man nicht gerade schwer chronisch krank, ein kleines Kind oder sehr alt ist, stecken die meisten Leute die heißen Tage problemlos weg.

Warum aber reagieren viele Menschen vor allem im Sommer bei extremer Hitze mit Panikattacken?

Hohe Temperaturen belasten unser Herz-Kreislauf-System. Der Herzschlag beschleunigt sich, der Blutdruck steigt und wir schwitzen vermehrt, um unsere Körpertemperatur im Zaum zu halten. Das ist ganz normal.

Menschen mit einer Angststörung reagieren ohnehin auf körperliche Veränderungen sehr sensibel und bewerten diese fälschlicherweise oft als gefährlich.

Symptome ähneln einer Panikattacke

Hinzu kommt, dass diese körperlichen Veränderungen sehr häufig auch mit Panikattacken einhergehen. Beschleunigter Herzschlag, steigender Blutdruck und Schweißausbrüche sind typische Panikattacken-Symptome. Der Betroffene fühlt sich schnell an altbekannte Angstzustände erinnert und so ist es nicht verwunderlich, dass man Angst vor der Angst bekommt.

Panik in Paris

Vor einigen Jahren habe ich mit einem Freund zwei ehemalige Klassenkameradinnen besucht, die dort studiert haben. Es war August und es herrschten Temperaturen von über 35 Grad.

Es war bereits extrem unangenehm, als wir ein kurzes Stück an einer viel befahrenen Hauptstraße entlanggegangen sind. Die ekelhaften Abgase bei dieser extremen Hitze – nicht schön!

Als wir dann in die Metro eingestiegen sind, bekam ich große Angst. Dichtgedrängt standen wir Haut an Haut mit anderen fremden Menschen. Es waren (gefühlte) 50 Grad und eine Luftfeuchtigkeit, die den meisten Dampfbädern Konkurrenz machen könnte.

Ich habe trotz meiner Angststörung nur selten etwas vermieden (und bin ja auch eingestiegen), aber nach zwei Stationen musste ich dort raus. Diese Hitze trieb mich zu einer Panikattacke und meine Begleiter konnten das gut verstehen.

Diese Situation war für jeden extrem unangenehm und es ist typisch für jemanden mit einer Angststörung, dass er auf eine unangenehme Situation mit übertriebener Angst reagiert.

Das war bei weitem nicht die einzige Situation, in der heisses Wetter Auslöser für eine Panikattacke war. Ich hatte das immer und immer wieder.

Bevor wir dazu kommen, was Dir wirklich gegen die Angst vor Hitze hilft, kommen wir zu ein paar kurzen Tipps gegen hohe Temperaturen.

Tipps gegen die Hitze

Mach langsam: Es ist ratsam, sich bei extremer Hitze körperlich ein wenig zu schonen und alles etwas langsamer anzugehen. Sport solltest Du auf den frühen Morgen oder späten Abend verlegen.

Ausreichend trinken: Wenn es heiss ist, schwitzen wir vermehrt. Deshalb solltest Du genug trinken, um die so verlorene Flüssigkeit wieder aufzufüllen. Besser ungekühlte als eiskalte Getränke, ein lauwarmer Früchte- oder Ingwertee tut gut.

Wasserspray: Ein wenig Abkühlung bietet Wasserspray, das Du in jedem Drogeriemarkt bekommst. Auch ein kalter Waschlappen in den Nacken zu legen, kann gut tun.

Hilfe! Ich bekomme keine Luft.

Ich hatte bei großer Hitze damals das Gefühl, keine Luft zu bekommen. Heute weiß ich: Auch warme Luft enthält genügend Sauerstoff. Du brauchst also keine Angst haben, keine Luft zu bekommen. Diese warme Luft in unseren Lungen ist allenfalls unangenehm, aber nicht gefährlich.

Wenn Du Dir diese Punkte immer wieder vor Augen führst, kann Dir das vielleicht ein wenig bei Deinen Panikattacken im Sommer helfen.

Was geht da eigentlich ab?

Schauen wir uns das alles noch einmal zusammenfassend an. Die Angst vor Hitze ist nämlich ein gutes Beispiel dafür, wie eine Panikattacke oftmals entsteht.

Es ist heiss und irgendwie unangenehm. Du schwitzt, Dein Blutdruck steigt und Dein Herz schlägt etwas schneller. Und das ist ganz normal. Große Hitze belastet den Organismus. Das ist anstrengend für uns und Dein Körper reagiert entsprechend.

Anstatt diese nicht ganz angenehme Situation einigermaßen entspannt hinzunehmen, interpretieren wir unsere körperliche Reaktion als gefährlich. Du dramatisierst und machst die Situation schlimmer als sie ist.

Du bekommst Angst umzukippen, einen Kreislaufzusammenbruch oder gar einen Herzinfarkt zu bekommen. Diese Gedanken schüren die Angst und es entstehen weitere Symptome.

So entsteht eine Panikattacke. Würdest Du das Ganze gelassen hinnehmen, würde nichts passieren.

Das ist einfacher gesagt als getan. Das weiß ich sehr wohl. Und doch möchte ich dir klarmachen, dass das nur deine Gedanken sind.

DAS PASSIERT…

  • Du fokussierst dich auf die unangenehme Hitze.
  • Du bewertest die körperlichen Reaktionen auf die hohen Temperaturen als gefährlich.
  • Du bekommst Angst.

Nur dadurch entstehen Panikattacken bei Hitze.

Die Reaktionen deines Körpers vermischen sich mit Panikattacken-Symptomen

Ich habe es bereits angesprochen. Die Reaktion deines Körpers auf die Hitze sind: Schwitzen, schnellerer Herzschlag und leicht steigender Blutdruck. Diese Symptome treten auch auf, wenn man Angst bekommt.

Und man fühlt sich an eine Panikattacke erinnert und bekommt daher vielleicht auch deshalb Angst. Man kann oft gar nicht mehr auseinanderhalten, was Reaktionen auf das heiße Wetter sind und was Panikattacken-Symptome.

Du solltest Dir jedoch bewusst machen, dass die oben genannten körperlichen Veränderungen ganz normal und keineswegs gefährlich sind. Wenn Du körperlich gesund bist, kann Dir die Hitze nichts anhaben.

ALLES IST IN ORDNUNG!

Hinweis: Ich gehe regelmäßig in die Sauna. Dort herrschen Temperaturen von 80 oder 90 Grad. Und man überlebt das. Das ist sogar gesund. Kurzfristig steckst du daher Temperaturen von 30 oder 40 Grad locker weg. Vorher den Arzt fragen ob man in die Sauna gehen darf.

GANZ EASY.

Panikattacken bei Hitze – Was tun?

Eigentlich habe ich überhaupt keine allgemeinen Tipps zur Abkühlung geben wollen. Ein kalter Waschlappen in den Nacken zu legen, hilft sicherlich um mit den hohen Temperaturen besser zurecht zu kommen. Es ist ratsam, sich zu schonen und körperliche Anstrengungen auf ein Minimum zu reduzieren. Und vor allem solltest du ausreichende trinken.

Diese Tipps lösen jedoch nicht das generelle Problem.

Ob Panikattacken bei Hitze auftreten, im Flugzeug, beim Bahnfahren, in der Arbeit oder Shopping ist eigentlich relativ egal.

Es spielt eine eher untergeordnete Rolle, in welchen Situationen Du Angstzustände und Panikattacken bekommst. Wie immer gilt, dass Du die angstauslösenden Situationen keinesfalls vermeiden solltest. Ansonsten schränkst Du Deinen Bewegungsradius immer weiter ein.

Extreme Hitze belastet den Organismus. Und natürlich sollten wir uns an extrem heissen Tagen alle ein wenig schonen und darauf achten, genug zu trinken. Aus Angst vor einer Panikattacke das Haus nicht mehr zu verlassen, ist aber keine gute Idee.

Aber noch einmal: Es ist egal, in welchen Situationen Du Panikattacken bekommst. Du sollst Dich  um die generelle Problematik kümmern. Ein Besuch beim Psychiater, Psychologen ist immer Sinnvoll um eine Diagnose zu bekommen.

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